Das richtige Medium ist entscheidend

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Posted on Juli 15, 2014

Es gibt Geschichten, die sind wie gemacht für einen und trotzdem findet man einfach keinen Zugang zu ihnen. 

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mir „Der Wind in den Weiden“ von Kenneth Graham während meiner Kindheit über den Weg gelaufen wäre. Die Geschichte um die Freundschaft von Maulwurf, Ratte, Kröterich und Dachs trat erst viel später in mein Leben. Doch plötzlich war sie da und liess mich nicht mehr los. Schuld daran war Jim Jarmusch, der in seinem Film „Ghost Dog – The Way of the Samurai“ einen Auftragsmörder porträtiert. Dieser sensible aber unheimliche Typ liebte zwei Bücher, aus welchen er seine Weisheiten bezog. Eines davon war eben Der Wind aus den Weiden.

Die Freundin, mit der ich im Kino sass, quitschte bei jedem Graham Zitat begeistert und bestätigend auf, was in mir das dringende Bedürfnis auslöste, meine offensichtlich fatale Bildungslücke so schnell wie möglich zu stopfen. Gleich am nächsten Tag kaufte ich mir das Buch – und konnte nichts damit anfangen. Schon nach wenigen Sätzen verloren sich meine Gedanken, der Maulwurf und sein Hausputz konnten sie definitiv nicht fesseln.

Wenige Monate später stiess ich auf einem Flohmarkt auf die englische Ausgabe des Buches. Ich war in Holland, es war Koniginnedag und ganz Amsterdam lief in orangen Kleidern durch die Stadt, um ihre Königin zu feiern. Meiner Begleitung gefiel die Geschichte von Ghost Dog und Dem Wind in den Weiden und kaufte mir das Buch. Doch auch die englische Version enthielt für mich nur Buchstaben, die keinen Sinn ergaben.

Die beiden Bücher landeten ungelesen im Gestell, doch aussortiert habe ich sie nie. Drei Mal sind sie bis jetzt mit mir umgezogen. Bekanntlich warten ja Bücher im Gestell so lange auf ihren Leser, bis der für sie bereit ist. Gelesen habe ich sie noch immer nicht, doch die Geschichte kenne ich inzwischen in- und auswendig. In die Bresche gesprungen ist das Hörbuch, gelesen von Harry Rowohlt. Im Gegensatz zu mir hat er jedes Wort verstanden und so intoniert, dass wohl jeder mit den tierischen Abenteurern mitfiebert.

Maulwurf, Dachs und Kröterich gehören seither zu meinem Leben. Sie begleiten mcih auf langen Autofahrten und dienen zur Beruhigung meiner Hunde, wenn diese Angst vor einem Gewitter haben. Wahrscheinlich sei es der viele Whiskey, der Harry Rohwolts stimme geprägt hat und nun auch dessen Zuhörer einlullt, versuchte ein Bekannter kürzlich das Phänomen zu erklären. Warum man begeistert aufquietscht, wenn jemand aus dem Buch zitiert, kann ich absolut verstehen.

 

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