Die digitalen Bibliotheken im Praxistest

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Posted on September 05, 2013

Seit Juni bieten verschiedene Bibliotheken in der Region die Ausleihe von digitalen Medien via Internet an. Was der neue Service kann und was nicht.

Das erste Mal hat auch bei der Ausleihe digitaler Medien seine Tücken. Wer zufällig im Internet auf www.dibiost.ch gestossen ist, kann erst auf das Angebot zugreifen, nachdem er sich in einer der angeschlossenen Bibliotheken eine Jahreskarte erstanden hat. Hingegen sind die technischen Hürden, die bei jeder Innovation im Weg stehen, auch für Menschen, denen generell die Geduld für Computer fehlt, mit Leichtigkeit zu meistern.

Zehn Produkte aufs Mal darf ausleihen, wer sich erfolgreich registriert hat. Die Leihfristen sind je nach Medium unterschiedlich. Bücher zum Beispiel darf man 14 Tage lang behalten, Tageszeitungen nur zwei Stunden. Ist die Frist abgelaufen, lässt sich das heruntergeladene Dokument nicht mehr öffnen.

Zwar muss man anschliessend nicht ans Zurückbringen des Mediums denken. Dafür ist es auch nicht möglich, ein bereits ausgelesenes Buch vor Ablauf der Frist zu retournieren. Wer sich unglücklicherweise für zehn Bücher entschieden hat, die ihm, wie er später merkt, doch nicht interessieren, muss warten, bis die 14-tägige Frist abgelaufen ist, bevor er sich mit neuem Lesestoff versorgen kann.

Auch für digitale Medien gibt es gelegentlich Wartefristen, obwohl sie aus technischer Sicht in unbegrenzter Zahl zur Verfügung stehen müssten. Grund dafür sind die Lizenzvereinbarungen zwischen dem Bibliotheksverbund und den jeweiligen Verlagen. Bibliotheken dürfen einen Titel nur so oft ausleihen, wie sie dafür Lizenzen bezahlt haben.

Wie in allen anderen Bibliotheken auch können Kunden Titel, die nicht im Sortiment vorhanden sind, wünschen. Wer aber hofft, dass er aus dem Liegestuhl in Abu Dhabi, wo er gerade seine Ferien verbringt, ein Mail mit der Angabe seines Wunschbuches schicken und dieses am nächsten Tag bereits in der Onleihe herunterladen kann, irrt. Wunschanfragen seien zwar grundsätzlich möglich, sagt Ursula Grob, die am Projekt der digitalen Ausleihe mitgearbeitet hat. Sie würden aber von der Bibliothek zunächst an die Zentrale weitergeleitet, wo abgeklärt werden müsse, ob für den entsprechenden Titel überhaupt entsprechende Lizenzen zur Verfügung stehen.

Vielfältiges Angebot

Vier unterschiedlich gut ausgebaute Mediensorten stehen den Nutzern der digitalen Bibliothek zur Verfügung.

  • Buch: Etwas mehr als 8000 Titel stehen im Bereich E-Books bereit. Die Einstiegsseite lädt zum Stöbern ein, beschert aber gleich das erste Frustrationserlebnis. Denn alles, was auf den ersten Seiten empfohlen wird, ist gerade nicht erhältlich. Den Filter, mit dem man auf dem iPad in der Auswahl der Bücher stöbern kann, die erhältlich sind, sucht man in der Internetansicht vergeblich. Das Herunterladen der vorrätigen Titel funktioniert hingegen rasch und unproblematisch.
  • Hörbuch: Breit ist auch die Palette an Hörbüchern. Von Homers «Odyssee» über den Mystery-Roman «Der Fürst der Nacht» bis zum Ratgeber «30 Minuten für den Umgang mit schwierigen Kollegen» kann man Diverses herunterladen und sich vorlesen lassen.
    Musik: Nicht sehr üppig ist hingegen das musikalische Angebot. Gerade zwei Titel stehen in der Sparte Jugend zur Auswahl. Die an diesem Ort verwirrende Unterkategorie «Belletristik und Unterhaltung» enthält unter anderem eine CD von Mani Matter.
  • Film: Neben einem umfangreichen Angebot an Kinderfilmen gibt es vorwiegend Ratgeberfilme im Angebot. Pilates-Anleitungen, Reisefilme oder Sprachlehrgänge auf DVD – die Auswahl ist gross. Liebhabern von Spielfilmen stehen gerade mal 16 Titel zur Verfügung, Serien gibt es keine im Angebot. Der derzeitige Bestleiher in der Kategorie Spielfilm trägt übrigens den interessanten Titel «Die erotische Dichtung der Römer».
  • Zeitung: Etwas enttäuschend ist die Auswahl im E-Paper-Bereich. 22 Zeitungs- und Zeitschriftentitel bietet die Bibliothek zur Ausleihe, dar un ter auffallend viele zu technischen Themen. Die «NZZ» ist die einzige Schweizer Tageszeitung, welche im Angebot zu finden ist. Nach regionalen Titeln sucht man vergeblich. Dafür gibt es einige deutsche Produkte wie «Die Zeit» oder die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung». Vier Stunden Zeit hat man für das Lesen einer Wochenzeitung, die Tageszeitung sollte innert zwei Stunden und eine Zeitschrift innerhalb von sieben Tagen gelesen sein.

Monika Schubarth

www.dibiost.ch

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