Sandrone Dazieri, In der Finsternis

Lieblingsbuch aus dem Lektorat: In der Finsternis

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Posted on März 09, 2015

Ein Buch von der verantwortlichen Lektorin empfohlen zu bekommen, ist etwas Besonderes. Die Gelegenheit bot sich  anlässlich der BookupDe, welche der Piper Verlag im Januar durchführte. Die Lektorin pries nicht nur den Inhalt des Buches an, sie erzählte auch, wie Piper zu der Lizenz für den Thriller aus Italien kam. Von der besonderen Stimmung, die herrschte, als sie auf der Suche nach spannenden Titel auf einer Messe auf „Uccidi il padre“, wie die italienische Originalausgabe heisst, aufmerksam wurde. Sämtliche Verlage seien scharf darauf gewesen, die Lizenz für den hochgehandelten Titel zu ergattern. Piper-Lektorin Eva war schnell und bot genug, so dass sie den Zuschlag bekam.

Dass sie als Lektorin voll und ganz hinter einem Titel stehe, sei Bedinung für ein gutes Buch, erzählt sie. Und Eva steht so sehr hinter dem „In der Finsternis“, dass sie für die Präsentation sogar ihr Outfit dem Schutzumschlag des Buches anpasst Die Frage einer Teilnehmerin, ob sie ihr T-Shirt absichtlich in den Farben des Buches ausgelesen hat, beantwortet sie mit der Ergänzung, dass sie auch ihren Lippenstift der Farbe des Lesebändchens angepasst habe.

Die Begeisterung der Lektorin weckt bei den Zuhörerinnen Neugierde und Lust aufs Lesen. Endtäuscht wird man bei der Lektüre nicht. „In der Finsternis“ ist ein Thriller, der seine Leser mit seiner spannenden Handlung von Anfang an in den Bann zieht. Eine Komissarin, die wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung krankgeschrieben ist, wird von ihrem Chef dazu gebracht, im Fall eines verschwundenen Jungen zu ermitteln. Einen offiziellen Auftrag hat Colomba nicht. Neben ihren krankheitsbedingten Stresssymptomen hat sie deshalb auch die zuständigen Beamten gegen sich. Der Verbündete, den sie findet ist zwar blitzgescheit, aber auch er ist psychisch handicapiert: Dante Torre war als Kind entführt worden und wurde daraufhin elf Jahre lang in einem Silo gefangen gehalten. Dass er es jetzt kaum in geschlossenen Räumen, Autos oder unter zu vielen Menschen aushält, ist daher verständlich, aber auch hinderlich. Den Beiden gelingt es, ihre Ängste zu überwinden und was sie aus der Finsternis ins Licht holen, ist mehr als nur grauenerregend.

Das Outfit der Lektorin sorgt für Bewunderung. (BILD: Twitter)

Das Outfit der Lektorin sorgt für Bewunderung. (BILD: Twitter)

 

Dass Sandrone Dazieri unter Anderem als Drehbuchautor für Krimiserien beim italienischen Fernsehen arbeitet, überrascht nicht. Die Kunst des Spannungsaufbaus beherrscht der Autor aus dem FF, seine Sprache ist so visuell, dass man beim Lesen die Szenen richtiggehend vor sich sieht. Das Personal entspricht genau dem, was es im guten Thriller braucht, aber leider auch dem, was man erwartet. Das ist manchmal etwas schade, denn auch die dramaturgischen Wendepunkte sind so genregetreu eingearbeitet, dass sie gelegentlich etwas vorhersehbar wirken. Dennoch ist „In der Finsternis“ spannend und sehr lesenswert. Der Autor kennt das Böse und scheut sich nicht, seinen Protagonisten die schlimmsten Steigerungen zuzumuten, die man sich vorstellen kann. Und da gelingen Dazieri überraschende Wendungen, denn seine Vorstellungskraft geht weit über diejenige der meisten Leser hinaus. Trotzdem verliert er dabei nie den Respekt gegenüber seinem Personal. Denn über das Böse zu schreiben ist immer auch eine Gratwanderung und die gelingt Dazieri, ohne je ins Pietätlose oder Veletzende abzustürzen.

Sandrone Dazieri, In der Finsternist, Piper Verlag 2015

Einen Stimmungsbericht und tolle Bilder der BookupDe gibt’s bei Lesenslust.

  1. 9. März 2015 at 13:31

    Hi du,

    super Bericht. Vielen lieben Dank für die Verlinkung zu meinem BookUp Bericht.

    Ich bin gerade noch an „Honigtot“, aber „In der Finsternis“ will ich mich ganz bald widmen.

    Schöne Woche,

    Steffi

    1. Monika
      9. März 2015 at 14:16

      Danke dir und gern geschehen! Bin übrigens recht beeindruckt von deinem Blog, ich hab am WE etwas drin gewühlt. Freu dich auf die Lektüre, es lohnt sich.

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