Nach dem verlorenen Kampf wird gepackt

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Posted on November 19, 2011

Schwindende Mitgliederzahlen und ein Streit mit der Vermieterin machten dem Maximum Fitness zu schaffen. Dennoch versprach der Betreiber bis zum Schluss, dass er den Betrieb weiterführen werde.

Dem Ende des Maximum Fitness geht offenbar ein Streit zwischen der Geschäftsleitung des Centers und der Vermieterin, der Siska Heuberger Holding AG, voraus. Das Bezirksgericht Winterthur bestätigt, dass die Vermieterin den Auszug des Maximum aus der Liegenschaft gerichtlich erzwingen wollte und mit dem Gerichtsentscheid vom 10. November recht bekam. «Rechtskräftig ist der Entscheid aber noch nicht», sagt Gerichtsschreiber Hannes Winkler. Beide Parteien haben noch bis zehn Tage nach Erhalt des schriftlichen Urteils die Möglichkeit, Beschwerde einzureichen.

Chronik eines Endes

Zu einer Beschwerde wird es wohl nicht mehr kommen. Das Fitnesscenter ist seit diesem Montag geschlossen, die Geräte stehen auf Paletten zum Abtransport bereit. Am Montag der Vorwoche, drei Tage vor dem Gerichtsurteil, habe im Eingangsbereich plötzlich der Strom gefehlt, erzählt ein ehemaliges Mitglied, welches seinen Namen nicht nennen will. Als Folge davon konnten die Mitglieder den Klub nicht mehr durch die automatische Haupttüre betreten, sondern mussten durch den Seiteneingang ins Gebäude gelangen. Tags dar­auf sei dann das Wasser vollständig abgeschaltet worden, erzählt das Mitglied weiter. «Wer auf die Toilette musste, konnte ins Parkhaus ausweichen.» Beim nächsten Besuch am Freitag habe es dann wieder kaltes Wasser gegeben, dafür überhaupt keinen Strom mehr. «Man musste zu Kerzenlicht trainieren.» Walter Baggen-stos habe seinen trainierenden Gästen daraufhin gesagt, er habe seinen Anwalt eingeschaltet. Der werde «alles wieder richten».

Wer die Verantwortung für die gekappten Stromleitungen trägt, ist unklar. Das Mitglied vermutet, dass die Vermieterin dahintersteckt. «Die haben ihn richtiggehend rausgeekelt.» Weil das Maximum in den letzten Monaten immer mehr Mitglieder verloren habe, könne sie sich gut vorstellen, dass dem Betreiber des Klubs das Geld für die Miete ausgegangen sei. Die Hauseigentümerin will zu dem Fall keine Stellung beziehen. Der Fall sei für sie abgeschlossen, sagt Siska-Geschäftsführer Heinrich Schifferle.

«Von unserer Seite her wird niemandem der Strom einfach so abgestellt», sagt Maddalena Pellegrino von Stadtwerk Winterthur. Jemandem den Zugang zum Strom zu verwehren, sei nach ihrer Einschätzung juristisch sehr heikel. Allerschlimmstenfalls werde säumigen Stromrechnungszahlern durch Stadtwerk ein Prepaid-System eingerichtet, wenn sie direkte Kunden des Ener­gie­versorgers sind.

Leidtragende sind die Mitglieder, welche dem Center die Treue gehalten haben. Viele dürften es allerdings nicht mehr gewesen sein. In der Branche schätzt man, dass noch höchstens 500 Personen ein Jahresabo besitzen.

Neuer Anbieter ist schon parat

Überrascht sei sie nicht, sagt eine Stammkundin. Sie rechne eigentlich seit Jahren mit der Schliessung des Maximums. Dennoch hat sie noch im Juli ein neues Jahresabonnement gelöst, denn das Center liege nahe bei ihrem Zuhause. Baggenstos habe immer garantiert, dass man noch bis Ende Jahr an der Bürglistrasse trainieren könne und er das Center Mitte Januar in der alten Ziegelei in Pfungen wiedereröffnen werde. Bei Keller Ziegeleien in Pfungen bestätigt man zwar, dass ein Fitnesscenter in der Ziegelei geplant sei. Wer dieses betreiben werde, sei allerdings noch nicht bekannt.

Inzwischen sind die anderen Winterthurer Fitnessklubs eingesprungen, um der geprellten Maximum-Kundschaft ein kleines Trostpflaster anzubieten: Wer bei ihnen ein Jahresabo löst, bekommt einen Teil des verlorenen Geldes gutgeschrieben. Auch ein neuer Anbieter steht bereits in den Startlöchern: Ein Unternehmen mit dem Namen Basefit.ch präsentiert sich im Internet als Betreiber eines Fitnesscenters an der Bürglistrasse 31a, in dem Gebäude, in welchem noch die Geräte des Maximums stehen.

Monika Schubarth

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