Verurteilter Reitlehrer: Kein Schuldeingeständnis

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Posted on Juni 25, 2011

Der wegen Tierquälerei verurteilte Neftenbacher Reitlehrer Jörg Bodenmüller will nun doch nicht vor Obergericht für sein Recht kämpfen. Die Anschuldigungen gegen ihn hält er trotzdem für aus der Luft gegriffen.

Er habe sich entschieden, das Urteil zu akzeptieren und nicht vor Obergericht zu gehen, denn der Rummel um seine Person habe ihn müde gemacht. «Was geschehen ist, tut mir ausserordentlich leid, das habe ich immer gesagt.» Ihn könne man aber nicht dafür verantwortlich machen.

Der Fall erregte grosses Aufsehen: Der Reitlehrer und Tierarzt Jörg Bodenmüller (Bild) soll ein Polopony, das sich bei ihm in der Ausbildung befand, so lange traktiert haben, bis es stürzte, sich dabei das Genick brach und deshalb zu Tode kam. Das Bezirksgericht Winterthur sprach den Reitlehrer im vergangenen September der Tierquälerei schuldig, der Verurteilte legte Rekurs ein. Inzwischen ist das Urteil rechtskräftig. Er habe die Strafe bereits vor einigen Monaten akzeptiert, bestätigt der Reitlehrer. Allerdings sei dies nicht als Schuldeingeständnis zu sehen. Er wolle zur Ruhe kommen und habe sich deshalb entschieden, den Rekurs nicht fortzusetzen, sich zurückzuziehen und all seine Ämter in Vereinen und Verbänden abzugeben. Den Betrieb leitet inzwischen sein Sohn Mathias.

Turnierteilnahme trotz Urteil

Dennoch wurde er für ein Turnier in Bülach noch Ende Mai als offizieller Funktionär aufgeboten. «Herr Bodenmüller ist seit Jahren ein angesehenes Mitglied unseres Vereins und wir haben ihn immer als für das Pferd denkenden Menschen wahrgenommen», erklärt Yvonne Bont von der Warmblutpferdezucht Kloten den geplanten Einsatz als Technischer Delegierter in Bülach. Möglich machte das Aufgebot der Schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS), welcher Bodenmüller bis zum 1. Juni noch als Offiziellen aufgelistet hat. Inzwischen führe man ihn aber nicht mehr auf der Liste, sagt SVPS-Vorstandsmitglied Peter Christen. «Wir haben gemeinsam mit Herrn Bodenmüller entschieden, dass er für unseren Verein keine offizielle Person mehr sein kann», so Christen. Auch Andreas Stutz vom Verband Ostschweizer Kavallerie- und Reitvereine (OKV) gibt an, dass man im Gespräch mit Bodenmüller zusammen beschlossen habe, dass dieser seine Ämter niederlege. Darauf, dass Bodenmüller trotz rechtskräftiger Verurteilung nach wie vor als Reiter an etlichen Turnieren teilnimmt, haben die Verbände allerdings keinen Einfluss. «Dafür sind allein die Veranstalter der jeweiligen Anlässe zuständig», so Stutz.

Erneute Vorfälle?

In der Reiterszene kursieren derweil Gerüchte um neue Vorfälle. Auf einem privaten Trainingsgelände sei der umstrittene Reitlehrer dabei beobachtet worden, wie «er das Pferd einer Schülerin derart grob verprügelte, dass er von den Stallbesitzern des Platzes verwiesen und zur Persona non grata erklärt wurde», schreibt der Pfungemer Military-Reiter Christoph Meier auf seiner Website. Der Beschuldigte streitet die Vorwürfe rundum ab. Zwar bestätigt er, auf dem Gelände eine Reitstunde gegeben zu haben. Von Misshandlungen oder einem Platzverweis wisse er aber nichts. Die Stallbesitzerin will sich zu dem Vorfall nicht detailliert äussern. Sie selbst habe nichts gesehen. Als die Zeugen des Vorfalls sie darüber informierten, sei sie jedoch sofort eingeschritten und habe per Telefon dafür gesorgt, dass die Stunde abgebrochen werde. Zu einer Anzeige sei es danach nicht gekommen, dafür sei der Vorfall nicht schlimm genug gewesen. Ohnehin seien die Zeugen zu weit weg gestanden, um genau zu sehen, was passiert sei.

Monika Schubarth

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